Forum Männer

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Stellungnahme zur Abberufung der Gleichstellungsbeauftragten von Goslar

Das Forum Männer in Theorie und Praxis der Geschlechterverhältnisse verurteilt die Abberufung der Gleichstellungsbeauftragten von Goslar.

Der Stadtrat von Goslar schafft die kommunale Gleichstellungsbeauftragte lieber ab, als das Amt für Männerthemen zu öffnen. Goslar verschließt sich damit einer zukunftsfähigen Gleichstellungspolitik, die sich - wie von EU und Bund gefordert - auf die Geschlechterverhältnisse bezieht und damit beide Geschlechter gleichermaßen in den Blick nimmt. Stattdessen schieben die lokalen Verantwortlichen die öffentlichen Aufgaben der Gleichstellung ins Ehrenamt ab.

Das Forum Männer hält die Abberufung von Frau Ebeling als Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Goslar für politisch falsch. Insbesondere die Begründung der Abberufung, „sich zu viel mit Männerthemen befasst zu haben“, trifft im Forum Männer auf großes Unverständnis. Die Äußerungen von Ratsmitgliedern, „Gleichstellungspolitik sei Frauenförderung“, lehnt das Forum Männer in dieser Einseitigkeit entschieden ab.

Männer haben sowohl die Legitimität als auch die Fähigkeit ihre eigenen Perspektiven und Interessen gleichberechtigt in die Aushandlung der Geschlechterverhältnisse einzubringen. Allerdings steht die Integration einer expliziten und unabhängigen Männerperspektive in die Gleichstellungspolitik, erst am Anfang. Umso dringender ist eine öffentliche Förderung der Gleichstellung, welche beide Geschlechter auf dem Weg zur Geschlechterdemokratie gleichermaßen unterstützt.

Das Forum Männer ist der Auffassung, dass kommunale Gleichstellungspolitik Männer ermutigen sollte, rigide Männlichkeitsmuster kritisch zu reflektieren und sie ermächtigt, selbstbestimmt vielfältige positive Männlichkeiten und Lebensentwürfe jenseits konventioneller geschlechterdualistischer Vorstellungen zu entwickeln. Bundesweit ist die Praxis der Gleichstellungspolitik davon noch weit entfernt. Sollte der Beschluss von Goslar Schule machen, gibt es bald nur noch ehrenamtliche Gleichstellungsbeauftragte, deren Arbeit im Sekretariat des Rathauses miterledigt wird.

Die Entscheidung in Goslar steht für ein falsches Verständnis von Gleichstellungspolitik, das eher alte und rigide Geschlechterstereotypen von männlichen Tätern und weiblichen Opfern fortschreibt, anstatt Geschlechtergrenzen durchlässiger zu machen. Gleichzeitig verbaut der Stadtrat sich die Chance, in Zukunft aktiv zu einem konstruktiven und gleichberechtigten Geschlechterdialog beizutragen.

Das Forum Männer kennt die abberufene Gleichstellungsbeauftragte Monika Ebeling und hat sie in Diskussionen als engagierte Person erlebt, die sich mit hoher fachlichen Kompetenz für Frauen und Männer einsetzt. Dem Forum Männer ist dabei durchaus bewusst, dass Frau Ebeling auch umstrittene Positionen vertritt und in männerpolitischen Organisationen engagiert ist, deren polarisierende Positionen, auf dem Weg zur Geschlechtergerechtigkeit wenig hilfreich sind. So ist es kontraproduktiv, den Mann als neues und bisher tabuisiertes Opfer zu inszenieren und eine vermeintlich universelle Unterdrückung aller Frauen durch ein imaginiertes Patriarchat schlicht durch eine durchgängige Diskriminierung aller Männer durch ein herbeifabuliertes Feminat auszutauschen.
Das Forum Männer widerspricht daher entschieden anti-feministischen Versuchen, die Abberufung der Person Monika Ebeling eigennützig zu instrumentalisieren und sie als Opfer einer feministischen Bedrohung zu inszenieren.

Die Entscheidung der Stadt ist für die Bürger und Bürgerinnen in Goslar gleichermaßen ein Verlust, da sie kommunale Leistungen und institutio nelle Strukturen und Ressourcen der öffentlich geförderten Gleichstellung verlieren. Sie zeugt eher von einem Verständnis von Geschlechterpolitik als „Sahnehäubchen“, welches in Zeiten knapper Kassen weggelassen werden kann, anstatt als notwendige Querschnittsperspektive für alle politischen Entscheidungen, Handlungen und Strukturen einer Stadt.

Der Rat von Goslar hat die Chance vertan, eine Gleichstellungsbeauftragte haben zu können, die sich gleichermaßen für Männer- wie für Fraueninteressen einsetzt, und so zum Vorbild für eine zukunftsfähige kommunale Gleichstellungspolitik zu werden, die Männer und Frauen ermutigt, ihre geschlechtsspezifischen Rollenmuster kritisch zu reflektieren und im Dialog weiter zu entwickeln und zu erweitern. Bundesweit wird Goslar nun als Synonym gelten für eine Gleichstellungspolitik, die sich lieber selbst abschafft, als sich für Männerthemen zu öffnen.

Berlin 24. Mai 2011
Der Koordinationskreis Forum Männer in Theorie und Praxis der Geschlechterverhältnisse.

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