Forum Männer

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern
E-Mail Drucken PDF
Tagung des Forum Männer
 Männerleiber - Körperlichkeit zwischen Sein und Tun
5. November 2011, 9.00 - 17.00 Uhr,
Ort: Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin, Schumannstr. 8
 

Im Mittelpunkt der Fachtagung stand der männliche Körper. Drei Fragerichtungen wurden dabei verfolgt. Was macht einen Körper zu einem männlichen Körper, was machen Männer und Jungen mit ihren Körpern  – vielleicht auch und gerade, um besonders männlich zu sein – und schließlich, was machen Staat und Gesellschaft mit den Körpern von Männern.

Der männliche Körper ist ein Politikum. Der Körper ist Objekt vergeschlechtlichter und vergeschlechtlichender Körperpolitik und Körperpraxis. Wie sehr das Körperliche von Geschlechterpolitik berührt ist, verdeutlicht der feministische Kampf für die Abschaffung des Straftatbestandes beim Schwangerschaftsabbruch. Ein Kampf, der in Deutschland so lange geführt wird, wie es Deutschland gibt, seit 1871. Der Zusammenhang von Körper und Geschlecht ist bereits eingehend diskutiert worden, allerdings vorrangig mit Blick auf den Frauenkörper. Mit unserer Tagung stellen wir den Männerkörper in den Fokus. 

hier geht es zur Dokumentation der Tagung

Auch für den männlichen Körper gilt: Er ist neben seiner Materialität aus von Haut umschlossenen Muskeln, Knochen, Organen ein Gegenstand für soziokulturelle normative Einschreibungen. Er ist der subjektive Austragungsort für den Kampf, das richtige Geschlecht zu sein, zu haben, zu inszenieren oder zu repräsentieren: zum Beispiel durch Gestik, Mimik, Haltung, Ernährung, Training, Kleidung.

Die Tagung fragt nach den kollektiven Deutungen und Wertungen und andererseits nach den individuellen Interpretationen und Umsetzungen. Zudem werden die Freiheitsgrade der Selbstgestaltung und das Maß an essentieller Materialität abzuwägen sein: Wie viel autonom absichtsvoller Akt und wie viel unausweichliche, mithin erzwungene Praxis der Wiederholung und Zitation ist der Körper eines Mannes? (Vgl. dazu Judith Butler: Körper von Gewicht. Die diskursiven Grenzen des Geschlechts, FfM: Suhrkamp 1995)

Um Fragen wie diese zu klären, beleuchtet die Tagung von unterschiedlichen Punkten aus Institutionen, Akteure und Praktiken. Diesen ist gemein, dass sie als Schnittpunkte im Körperdiskurs begriffen werden können. Konkret geht es um Jungen und ihren Umgang mit dem eigenen Körper, besonders um riskante Praktiken.  Thema wird die Beschneidungspraxis und ihr Männlichkeit konstituierender Sinngehalt zwischen Initiationsritus und Hygienemaßnahme sein.  Männer können ihren Körper in einer meditativen Körperreise ‚erfahren‘. Auch wird die Frage nach dem Dualismus Gesundheit-Krankheit gestellt und nach dem damit verbundenen Blick auf den männlichen Körper als einen zu reparierenden Gegenstand oder als ein möglichst gesund zu erhaltendes System. Vertiefend soll es um den Blick auf den männlichen Körper der Naturwissenschaften und Medizin gehen, wobei auch der Frage nachgegangen wird, wie ein Männerkörper in Abgrenzung zum Frauenkörper definiert wird. Ein weiteres Feld ist der männliche Körper im Kontext von Militär. Dabei geht es um Verfügungsgewalt über Köper und um ihre ‚Zurichtung‘ vom zivilen zum soldatischen Körper.

 

Anmeldung:
Eine Anmeldung ist erforderlich.
Bitte meldet euch / melden Sie sich bis zum 22. Oktober 2011 durch Ausfüllen des elektronischen Anmeldeformulars.

 

Tagungsstruktur des Netzwerktreffen und der Fachtagung

am Tag vor der Tagung findet das Netzwerktreffen des Forum Männer statt.
Alle Mitlgieder aber auch andere Interessierte am Forum Männer sind herzlich zur Teilnahme eingeladen.

Bitte meldet euch / melden Sie sich auch für das Netzwerktreffen über durch Ausfüllen des elektronischen Anmeldeformulars an.

 

Freitag, 4. November
Forum Männer Netzwerktreffen 

Zeit

Inhalt

18.00
Anreise, Imbiss
18.30

 

Netzwerktreffen des Forum Männer in Theorie und Praxis der Geschlechterverhältnisse, für Netzwerkmitglieder und Interessierte
-         Programm siehe separate Einladung
21.00
Informeller Ausklang

 

Samstag 5. November

Fachtagung Männerleiber - Körperlichkeit zwischen Sein und Tun

9.15

Begrüßung Gunda Werner Institut / Forum Männer

 

Thematischer Einstieg: Warum diese Tagung, dieses Thema?

Volker Handke (Forum Männer)

9.45

Einführungsvortrag: Körper und Geschlecht

Prof. Dr. Anke Abraham, Philipps-Universität Marburg, Herausgeberin von „Körperhandeln und Körperleben“


 

11.00 – 13.00 Uhr

Parallele Workshops / Panel

  1. WS: Jungen und Körperkonzepte – Vom Ritzen über Koma-Saufen bis zur absichtlichen Selbsttötung, mit Prof. Harry Friebel, Universität Hamburg
  2. Panel:Soldatische Körper – militarisierte Männlichkeit, mit Prof. Dr. Rolf Pohl, Universität Hannover, angefr.
  3. WS: Gendersensible Deutung der Penisbeschneidung, mit Volker Handke, Geschlechterforscher, Berlin
  4. WS: „Körperreise“ – Selbsterfahrungsworkshop nur für Männer (max. 10 Pers.), mit Jens Gerdes, Sozialpädagoge, Berlin

13.00

Mittagspause

14.00

Angebot Körperübung: Männer - Stimme – Körper mit N.N.

Präsentation im Foyer: Bilder/Foto-Collage

14.30

Podiumsgespräch zum Thema Transsexualität / Transgender

Mit Vertreter_innen des Transgender Netzwerks und Politiker_innen

Mod. Christian Schenk (angfr.),

16.00

Ausblicke im Speakers Corner, Abschluß

17.00

Ende der Tagung

Vorbereitungsgruppe:
Harry Friebel (Hamburg), Jens Gerdes (Berlin), Andreas Goosses (Berlin), Volker Handke (Berlin), Dag Schölper (Berlin), Peter Thiel (Berlin), Henning von Bargen (Berlin)

Veranstalter:
Forum Männer in Theorie und Praxis der Geschlechterverhältnisse, Berlin

in kooperation mit dem Gunda-Werner-Institut in der Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin

Veranstaltungsort:
Heinrich-Böll-Stiftung, 10117 Berlin, Schumannstr. 8
Mit der S-Bahn oder mit der U-Bahn bis Bahnhof Friedrichstraße. Ausgang über die Spree, dann Albrechtstraße, Reinhardtstraße überqueren und nach links in die Schumannstraße.